(Un)Endlichkeit
Text: Emily Tabula
Musik: Samuel Porsche
Du warst. Bist. Bleibst.
Wirst immer der sein,
der du immer schon warst.
Du bist da.
Alpha.
Bevor irgendetwas begonnen hat,
warst du im Anfang da
als Ursprung von allem, was jemals Leben sah.
Du, Omega.
Hafen,
Richtung,
Gipfelkreuz,
die einzige Ziellinie,
die je zu erreichen bedeutsam war.
Du bist die Konstante im ständigen Auf und Ab der Sonne.
Einziges Bleiben in allem täglichen Kommen und Gehen und Kommen.
Außerhalb der Sanduhr aller Zeit und deshalb unersetzbar in unser´ entsetzlichen Endlichkeit.
Tagaus, Tagein
und so früh ist der letzte Tag aus.
Minuten verzieh´n sich wie Rauch
und es bleibt nur Asche und Staub.
Kreislauf von Geboren werden und Sterben.
Labyrinth von Vergehen und Werden.
Und am Ende bleibt von uns nur Erde.
Alles stirbt.
Gott, du allein bist ewig.
Himmel und Erde werden vergehen.
Du aber bleibst.
Sie werden alt wie ein abgenutztes Kleid,
Du aber bleibst
und deine Zeit ist
endlose Zeitlosigkeit.
Wenn die Welt sich wieder zusammenrollt
und du sie in sich zusammenfallen lässt,
dann steht eines fest:
Alles hört irgendwann auf,
aber in dir ist der ewige Anfang gesetzt.
Du bist immer derselbe,
aber nicht so,
als ob du dich nicht verändern wolltest,
sondern weil man das Beste nicht verbessern kann;
bist immer gleich;
gleich nicht wie langweilig,
nicht wie chronisch, monoton und eingefahren,
Gleich wie treu,
beständig
und verlässlich.
Du bist unermesslich,
aber nicht unberechenbar.
Wenn du Ja gesagt hast,
dann bleibt es auch beim Ja.
Auf dich kann man setzen,
weil du so feststehst wie die Schwerkraft.
Du bist nicht launisch.
Du hast deine Entscheidung ein für allemal gemacht.
Du bist der Halt,
wenn die Zeit nicht haltbar ist.
Wenn wir uns auf nichts verlassen können,
dann verlässt du uns nicht.
Du bist ewig.
Und irgendwie gibt das unserer Eintagsfliegen-Existenz einen Sinn.
Weil du bleibst, ist es endlich okay, dass wir endlich sind.
Weil du bleibst, sind uns’re Jahre hier genug,
weil sie nicht alles sind.
Ja, alles endet.
Aber es ist nicht das Ende,
weil das letzte Wort nicht Punkt ist,
sondern Auferstehung.
Das ist der Anfang der Unendlichkeit,
der Beginn der Unverweslichkeit.
Dann wird nie mehr irgendetwas das letzte Mal sein.
Dann gibt es kein Vermissen mehr
und dann gibt es kein Bedauern,
dann gibt es keine Dauer,
keine Uhren,
keine Zeit.
Du bleibst.
Und wir mit dir.
In uns’rem Herz‘ liegt Ewigkeit.
